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Teilstück eines Epitaphs

Teilstück eines Epitaphs

Teilstück eines Epitaphs für Johann Valentin Maier
Michael Rauck, Crailsheim, 1670
Öl auf Holz

Auf dem Gedächtnisbild kniet der 1668 verstorbene Crailsheimer Stadtarzt Johann Valentin Maier vor Jesus. Vorlage des Gemäldes ist ein Stich des niederländischen Kupferstechers Hendrick Goltzius von 1578: Christus als Medicus. Damit ist ein Bezug zum Beruf des Verstorbenen hergestellt. Die Tasche, die Jesus an der Seite trägt, ein Futteral für Instrumente und Salben, weist ihn als Arzt aus. Die um das Kreuz gewundene Schlange symbolisiert die Überwindung des Todes durch Jesus. Das Sinnbild nimmt Bezug auf eine Geschichte im Alten Testament: Wer die vom Propheten Moses aufgerichtete Schlange aus Erz ansieht, wird leben. Im gläsernen Herz, das Jesus in Anlehnung an die ärztliche Praxis der Uroskopie betrachtet, befinden sich ein Schwein und eine Kröte. Der Arzt mit dem Uringlas ist ein damals gängiger Bildtypus. Hier diagnostiziert Jesus Sünden an Stelle von Krankheiten. Das Schwein und die Kröte symbolisieren jeweils eine der sieben Todsünden: die Völlerei und den Geiz.

Hinter Johann Valentin Maier steht die Personifikation des Glaubens. Die Kulisse im Hintergrund zeigt keine bestimmte Stadt, sondern eine idealtypische Kleinstadt des 16./17. Jahrhunderts.