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Wolfram Hahn: Meine Crailsheim - Fotografien 2017 - 2019 - Juni 2019

Wolfram Hahn: Aus-der-Serie-Burgbergstraße-2018
Wolfram Hahn: Aus-der-Serie-Burgbergstraße-2018
Wolfram Hahn: Aus-der-Serie-Burgbergstraße-2018
Wolfram Hahn: Aus-der-Serie-Burgbergstraße-2018

Wolfram Hahn: Mein Crailsheim - Fotografien 2017-2019
1. Juni bis 22. September 2019

 

Die Ausstellung „Mein Crailsheim“ zeigt eine aus etwa fünfzig aktuellen und historischen Fotografien sowie Zeitungsartikeln zusammengestellte Arbeit des Berliner Fotografen Wolfram Hahn. Der in Crailsheim aufgewachsene Künstler beschäftigt sich seit 2017 mit dem ehemaligen Fliegerhorst Crailsheim, der heutigen Burgbergstraße.

Wolfram Hahn porträtiert das dort entstandene Wohn- und Lebensumfeld. Er richtet seinen Blick sowohl auf die teils sanierten, 1936 entstandenen Kasernen als auch auf die stark fluktuierende Einwohnerschaft. Diese setzt sich neben alteingesessenen Rentner*innen und Familien vorwiegend aus sozial benachteiligten Gruppen – Abhängigen, Obdachlosen sowie Geflüchteten – zusammen.

Das besondere Augenmerk des Fotografen liegt dabei auf der Situation von Geflüchteten in ihrer neuen Umgebung und deren Umgang mit der neuen Heimat in Anbetracht des oft nur temporären Verbleibs an diesem Ort. Wolfram Hahn vermischt seine Fotografien mit historischen schwarz-weiß Aufnahmen aus der Zeit der Nutzung des Geländes als Fliegerhorst der Wehrmacht und privaten Bilddokumenten alteingesessener, ehemals geflüchteter Bewohner*innen der Burgbergstraße. Es entsteht ein Bild der Siedlung, welches über die Zeit hinaus einen Ort des Übergangs zeigt. Ein Resonanzraum wird eröffnet, in dem Flucht und Migration zwar immer wieder spezifisch begründet sind, jedoch auch als zeitloses Phänomen erkennbar werden.

Die Fotografien des Orts und der Menschen mischen sich mit alten und neuen Zeitungsartikeln, die jeweils auf politisch begründete Migrationswellen in der bundesdeutschen Geschichte eingehen. Doch gleich, ob sie sich auf die Heimatvertriebenen und Aussiedler nach dem II. Weltkrieg, auf Zuwanderer aus der ehemaligen DDR sowie die Minderheitenwanderungen aus Südosteuropa ab 1989/90 oder auf die 2014 einsetzende, sogenannte „Flüchtlingskrise“ beziehen, es herrscht trotz der zeitlichen Distanz ein verblüffend ähnlicher Grundtenor, der die verschiedenen Zeitebenen in Wort (und Bild) miteinander verknüpft und im gleichen unterkühlten Licht erscheinen lässt.

Wolfram Hahn, dessen Familie selbst eine deutsch-deutsche Fluchtgeschichte hat und der in Crailsheim aufgewachsen ist, erschafft mit „Mein Crailsheim“ ein äußerst lebendiges, doch auch bemerkenswert zeitloses Porträt der Burgbergstraße, welches „die Zeit nicht anhält, sondern in ihrem Vergehen begleitet.“ (Agnès Varda)

Wolfram Hahn, geboren 1979 in Crailsheim, lebt und arbeitet als Fotograf in Berlin. Er studierte Fotografie an der Fachhochschule Potsdam und an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Bekannt geworden ist Hahn durch seine eindrücklichen Porträtserien wie: Ein entzaubertes Kinderzimmer (2006), Into the Light (2009-11) oder Draussen (2014-15), die in intensiver und oft langwieriger Auseinandersetzung mit den jeweiligen Sujets entstanden sind.

Seine Arbeiten sind international in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen gezeigt worden, u.a. in Washington, Wellington, Teheran, Mexico City, Venedig, Wien und Berlin. Hahn veröffentlichte mehrere Publikationen, erhielt zahlreiche Stipendien und war nominiert für diverse Preise, u.a. für das Unicef Foto des Jahres (2007), den World Press Photo Award (2011) oder den Deutschen Fotobuchpreis (2017).

Flyer: Wolfram Hahn: Mein Crailsheim - Fotografien 2017-2019